Treffen der Lernpartnerschaft „Europas Frauen – Mitten im Leben” (EWCOL) im Rahmen des EU-Programmes Sokrates / Grundtvig 2
Vom 22. bis zum 24. September fand in Grünberg (Zielona Góra) ein Treffen der Teilnehmer der neuen Lernpartnerschaft „Europas Frauen – Mitten im Leben“ im Rahmen des Sokratesprogramms statt. Die sechsköpfige deutsche Delegation wurde von Brigitte Wörteler geleitet, die zugleich Koordinatorin des Gesamtprojektes ist. Aus Prely (Preiļi) in Lettland kamen drei Teilnehmerinnen, Projektkoordinatorin ist dort Ineta Liepniece, vonseiten der ZUTW nahmen neun Personen teil, darunter als Projektkoordinatorin ihre Vorsitzende Zofia Banaszak.
Der erste Tag war der Vorstellung der Projektidee sowie dem gegenseitigen Kennen Lernen gewidmet. Brigitte Wörteler aus Berlin und Marianne Klues-Ketels aus Göttingen, beide mit abgeschlossenem Soziologiestudium, hatten – beeinflusst von den Arbeiten des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky – ein Konzept erarbeitet, das im Kern auf der Salutogenese aufbaut, das heißt der Suche nach positiven Herangehensweisen, ein gesundes Leben zu führen. Gesundheit wird hierbei in einem sehr weiten Sinne verstanden als ein Gefühl von Zufriedenheit und Selbstverwirklichung, das Schaffen sozialer Bindungen und die Fähigkeit, mit Belastungen, Stress und Krisen umgehen zu können. Die Autorinnen des Projektes ergänzten das Konzept noch um den Begriff des „Empowerments“, den man als Subjektwerdung definieren könnte – der Fähigkeit, über die eigenen Belange selbst zu entscheiden, zugleich aber auch für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.
Die Teilnehmerinnen des Projektes (abgesehen von einem Vertreter der ZUTW nahmen ausschließlich Frauen an dem Treffen teil) sollten sich in Kleingruppen gegenseitig über ihre jeweiligen Lebensumstände, Alter, Vorlieben etc. austauschen und anschließend darüber berichten. Dies sollte vor allem die Sprachbarrieren überwinden, die häufig den Austausch erschweren oder sogar verhindern.
Der zweite Tag war den Partnerorganisationen gewidmet, die ihre Tätigkeitsbereiche vorstellten. Die Nachfragen im Anschluss an die multimediale Präsentation der Universität des Dritten Lebensalters, Grünberg(ZUTW) bezogen sich auf die Finanzierung, Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaften sowie die Interessengebiete.
Ineta Liepniece stellte den Frauenclub Prely (Preiļu Sieviešu klubs) vor. Sein Profil:
- Horizonterweiterung der Frauen,
- Fortbildungen,
- Hilfsangebote,
- aktive Teilnahme am lokalen gesellschaftlichen Leben.
Angesichts eines häufig bei Frauen zu beobachtenden niedrigen Selbstwertgefühls besteht eine der Hauptaufgaben darin, dieses zu steigern und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Der Club entstand 1996 als Nichtregierungsorganisation und ist Begründer des Zentrums zur Unterstützung Arbeitsloser sowie zugleich Mitglied überregionaler Organisationen. Er finanziert sich vor allem über EU-geförderte Projekte sowie mithilfe überregionaler wie regionaler Organisationen. Die Zahl seiner Mitglieder beläuft sich auf 200, bei der Organisation von Fortbildungen und Veranstaltungen werden ein Koordinator und Freiwillige beschäftigt. Die Projekte haben eine Laufzeit von mehreren Jahren wie z. B. das Zentrum für Erwachsenenbildung, das seit fünf Jahren arbeitet. Es wird von der holländischen Organisation STUW finanziert, die Sprach- und Computerkurse, Psycho- und Kunsttherapie sowie Lehrgänge zu Buchhaltung und Sekretariatsarbeit fördert.
Marianne Klues-Ketels aus Göttingen stellte den Verein ImPuls vor, der seit 20 Jahren besteht. Sein Hauptziel ist die Vermittlung eines gesunden Lebensstils mithilfe von Yoga, Entspannungstechniken, Krankenpflege und Seminaren. Der Verein basiert auf gemeinnütziger Arbeit und finanziert sich ohne öffentliche Gelder mit Ausnahme des gegenwärtig laufenden Projektes EWCOL. 80% der Kursteilnehmer sind Frauen, die im Bereich gesundheitsfördernder Maßnahmen aktiver sind.
Brigitte Wörteler sprach für den Verein OWEN. Er wurde kurz nach dem Fall der Mauer von einer Deutschen aus Ostberlin mit dem Ziel gegründet, sich jeglicher gesellschaftlichen Isolierung auf der Welt zu widersetzen. Auf den von OWEN organisierten Ausstellungen sieht man Hunderte von Menschen, obwohl der Verein kleiner als ZUTW ist. OWEN schult Multiplikatorinnen für Integrationsprojekte, knüpft direkt Kontakte zu Frauen aus kulturell und geografisch entfernten Ländern. Davon unterscheidet sich das Projekt EWCOL, bei dem die in diesem Rahmen geplanten Vorträge öffentlich sein werden.
Die Teilnehmerinnen besichtigten an diesem Tag noch Grünberg und nahmen an einem psychologischen Workshop teil, dessen Ziel darin bestand, sich bewusst zu machen, auf welche persönlichen Eigenschaften und auf welche Unterstützung durch die Umwelt jede von uns bei der Umsetzung der ins Auge gefassten Ziele würde setzen können.
Der dritte Tag begann mit dem Versuch, konkrete Schritte zur Umsetzung des Projekts zu skizzieren. In kleineren Gruppen besprachen die Teilnehmerinnen die Notwendigkeit, dass man sich gegenseitig besser kennen lernen und Stereotypen überwinden müsse. Als besonders wichtig wurde dabei eingestuft, einen besseren Überblick über das Leben von Frauen in unterschiedlichen Ländern zu bekommen – was die Umsetzung beruflicher Pläne, die Beziehungen innerhalb der Familie, Traditionen oder das Leben im fortgeschrittenen Alter angeht. Die Teilnehmerinnen beschlossen, sich über ihre persönlichen Erfahrungen in diesen Bereichen auszutauschen. Der Erfahrungsaustausch sollte über E-Mail laufen.
Das Resümee des dreitägigen Treffens bestand in dem Versuch, dass jede Teilnehmer die Ergebnisse auf der Grundlage der SWOT-Analyse bewertete (SWOT ist die englische Abkürzung für Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren). Als Stärke wurde ziemlich allgemein gewertet, dass sich durch die Möglichkeit, freundschaftliche Kontakte mit vorher unbekannten Menschen zu knüpfen, das Weltbild erweitert hätte. Als Chance für die Zukunft wurde u. a. die Perspektive einer freundlicheren Welt genannt, in der Stereotype über unterschiedliche Länder dem persönlichen Kennen Lernen wichen. Nicht ausreichende Fremdsprachenkenntnisse wurden von allen als Schwäche bewertet, wobei dies jedoch auch zur Chance persönlicher Weiterentwicklung werden könne, wenn das Verlangen, sich näher kennen lernen zu wollen, den Wunsch nach einer besseren Konversationsfähigkeit nach sich zöge. Als Gefahr wurden die ein wenig ambitionierten Pläne eingeschätzt, für deren Umsetzung die finanziellen Mittel fehlen könnten.
Man verständigte sich darauf, dass das nächste Treffen in Form eines Workshops in Berlin stattfinden solle in der Zeit vom 15. bis 17. März 2007 unter dem Thema „Women’s life“ sowie ein weiteres Treffen Anfang Juli in Lettland, für das vorläufig der 5. bis 9. oder der 12. bis 16. Juli vorgeschlagen wurden. Es wurde begrüßt, die Bemühungen von Vereinen aus anderen Ländern zu unterstützen, die in der diesjährigen Auflage des Projekts von der Nationalen Agentur nicht aufgenommen worden waren. Dies sind:
- Maribor, ein Verein aus Slowenien, der sich auf Erwachsenenbildung spezialisiert hat,
- Folkevirke, ein dänischer Verein aus Kopenhagen, der ebenfalls in der Bildungsarbeit aktiv ist,
- das Centre for Continuing Education an der University of Sussex, Großbritannien sowie
- das Ballybeen Women's Centre, Belfast in Irland.
Das Treffen verlief in guter Atmosphäre, voller Akzeptanz und der Bereitschaft zum gegenseitigen Kennen Lernen.
Barbara Konarska